Ein Treffen mit langer Vorgeschichte
Der Titel Ben Webster Meets Oscar Peterson klingt nach einer ersten Begegnung. Tatsächlich kannten sich die beiden Musiker längst aus gemeinsamer Arbeit. Peterson hatte Webster schon in den 1950er-Jahren auf Aufnahmen für Norman Granz begleitet, darunter Soulville. Als sie am 6. November 1959 die sieben Stücke dieses Albums einspielten, trafen damit zwei vertraute Partner aufeinander. Neu war der konkrete Rahmen: Petersons Trio bestand nun aus Klavier, Ray Browns Bass und Ed Thigpens Schlagzeug. Eine Gitarre gehört hier nicht zur Besetzung. Vor diesem Trio steht Websters Tenorsaxofon als vierte Stimme, mit genügend Platz für Melodie und Reaktion.
Diese Vorgeschichte erklärt einen Teil der Anziehungskraft. Ein Titel kann ein Treffen ankündigen, während die Musik von einer bereits gewachsenen Beziehung ausgeht. Webster brachte seine Erfahrung als Solist und Orchestermusiker mit; Peterson, Brown und Thigpen arbeiteten in einer Trioform, die das Zusammenspiel von Klavier, Bass und Schlagzeug ins Zentrum rückte. Norman Granz ist auf den Originalcredits als Produzent genannt. Das Album gehört in jene Verve-Jahre, in denen sein Katalog immer wieder unterschiedliche Musiker um ein gemeinsames Repertoire versammelte. Hier genügte ein einziger Aufnahmetag für ein vollständiges Programm aus sieben Standards.

Alte Songs und ein junger Sinatra-Titel
Die meisten Lieder stammen aus den 1920er- und 1930er-Jahren. „Bye-bye Blackbird“, „The Touch Of Your Lips“, „When Your Lover Has Gone“ und „How Deep Is The Ocean“ bringen jeweils eine lange Vorgeschichte mit. „This Can't Be Love“ führt zum Rodgers-und-Hart-Musical The Boys from Syracuse. Solches Material lebt im Jazz davon, dass ein bekannter melodischer Verlauf neue Entscheidungen ermöglicht. Man kann der Form folgen und gleichzeitig darauf achten, an welcher Stelle Webster eine Phrase ausdehnt, wo Peterson antwortet und wann Brown oder Thigpen eine Bewegung weitertragen. Das vertraute Lied wird zur gemeinsamen Orientierung.
Eine Ausnahme in diesem zeitlichen Panorama ist „In The Wee Small Hours Of The Morning“. Der Titel war erst 1955 durch Frank Sinatras gleichnamiges Album bekannt geworden und bei dieser Sitzung gerade vier Jahre alt. Zwischen den älteren Standards steht damit ein Stück aus der jüngeren Gegenwart. „Sunday“ bietet noch eine andere Verbindung: Webster nahm es wenige Wochen später erneut auf, diesmal mit Gerry Mulligan. Für Sammler eröffnet sich daraus ein besonders schöner Vergleich. Derselbe Musiker begegnet derselben Komposition in unterschiedlichen Besetzungen, und das Lied bleibt als Bezugspunkt bestehen, während seine Umgebung wechselt.

Vier Rollen, sieben Möglichkeiten
Ray Brown hatte bereits seit den frühen 1950er-Jahren mit Peterson gearbeitet. Ed Thigpen gehörte zur neuen Trioformation, in der das Schlagzeug die Position einnahm, die zuvor eine Gitarre besetzt hatte. Diese Besetzungsänderung ist für den Blick auf das Album wichtiger als das bloße Zählen der Musiker. Peterson kann die harmonische Bewegung ausführen, während Brown und Thigpen andere Aspekte des zeitlichen Verlaufs gestalten. Webster tritt in dieses Gefüge ein. Die Platte lädt dazu ein, Begleitung als aktiven Teil des Geschehens zu verfolgen: Jeder Einsatz des Solisten erhält seine Bedeutung auch durch das, was die anderen darunter oder dazwischen tun.
Die sieben Titel sind unterschiedlich lang angelegt. „How Deep Is The Ocean“ nimmt einen vergleichsweise knappen Platz ein, „This Can't Be Love“ bildet den ausgedehnten Abschluss. Diese Gewichtung verhindert, dass das Album nur als gleichmäßige Folge von Standards erscheint. Nach kleineren Formen öffnet sich am Ende ein längerer Raum. Ein sinnvoller Hörweg führt deshalb einmal durch beide Seiten, ohne sofort zu den bekanntesten Titeln zurückzuspringen. Erst in dieser Folge wird deutlich, welche Aufgabe ein kurzes Stück zwischen seinen Nachbarn erfüllt und wie der Schluss das Programm zusammenhält. Die Neuauflage bewahrt diese sieben Stücke des ursprünglichen Albums ohne zusätzliche Bonustracks.
Die Acoustic Sounds Series-Ausgabe
Diese Neuauflage erscheint innerhalb der Verve Acoustic Sounds Series als einzelne 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen. Ryan K. Smith übernahm das Mastering bei Sterling Sound. Der Herausgeber nennt die originalen analogen Bänder als Ausgangsmaterial. Quality Record Pressings fertigt die Platte; Stoughton Printing stellt das Tip-on-Klappcover her. Die Ausgabe wird innerhalb der Reihe von Chad Kassem betreut. Damit sind Aufnahme und heutige Vinylfertigung klar zeitlich zu unterscheiden: Das Quartett spielte 1959, die genannten Mastering- und Verpackungsarbeiten gehören zu dieser späteren Wiederveröffentlichung.
Für die Sammlung ist die Kombination aus Album und Besetzung entscheidend. Webster und Peterson hatten schon zuvor zusammen aufgenommen, doch hier begegnet Websters Tenor dem Trio mit Brown und Thigpen auf einem geschlossenen Standardprogramm. Das macht den Titel zu einer konkreten Station innerhalb ihrer Zusammenarbeit. Die Ein-LP-Ausgabe erhält den Zusammenhang beider ursprünglicher Seiten und bietet zugleich die aufwendige Hüllenausstattung der Acoustic Sounds Series. Wer die Namen aus größeren Zusammenstellungen kennt, kann sie hier in einem übersichtlichen Rahmen verfolgen: vier Musiker, ein Aufnahmetag und sieben Lieder, deren unterschiedliche Geschichte in eine gemeinsame Sitzung mündet.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden. Noch nicht vorrätige Ausgaben versenden wir nach Wareneingang.
Mehr von Ben Webster: Gentle Ben · King Of The Tenors
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Ben Webster | Tenorsaxofon, Leader | Album-Besetzung |
| Oscar Peterson | Klavier | Album-Besetzung |
| Ray Brown | Kontrabass | Album-Besetzung |
| Ed Thigpen | Schlagzeug | Album-Besetzung |
Dieselbe Quartettbesetzung auf allen sieben Titeln.








Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.