Ein Schloss als Aufnahmeraum
Bad Company hätten nach ihrem erfolgreichen Debüt auf Sicherheit setzen können. Stattdessen zogen Paul Rodgers, Mick Ralphs, Boz Burrell und Simon Kirke im September 1974 nach Clearwell Castle in Gloucestershire. Aufgenommen wurde mit Ronnie Lane’s Mobile Studio, Ron Nevison betreute die Technik. Die Band produzierte selbst; die Mischung entstand später in den AIR Studios in London. Straight Shooter, 1975 veröffentlicht, trägt diese Konzentration auf vier Musiker schon in seiner Anlage: acht Lieder, Platz für Riffs und Geschichten, kein überfülltes Programm.
Das Schloss ist dabei mehr als eine hübsche Fußnote. Ein mobiles Studio machte es möglich, außerhalb der üblichen Studioumgebung zu arbeiten. Die Technik kam zur Band. Wer diese Platte auflegt, kann ihre Entstehung deshalb als Einladung verstehen, sich auf ein zusammenhängendes Album einzulassen – von „Good Lovin’ Gone Bad“ bis „Call On Me“.

Mehr als zwei große Hits
„Feel Like Makin’ Love“ und „Shooting Star“ sind die vertrauten Orientierungspunkte. Doch die Vorgeschichte reicht weiter zurück: Rodgers begann „Feel Like Makin’ Love“ bereits als junger Sänger bei Free, Mick Ralphs ergänzte den Refrain. Hinter dem gemeinsamen Song steht also auch das Zusammentreffen zweier musikalischer Wege. Bei „Shooting Star“ lohnt es sich, besonders auf die Erzählhaltung zu achten: Der Rocksong wird zum Nachdenken über das Leben eines Rockmusikers.
Simon Kirke steuert mit „Weep No More“ und „Anna“ zwei eigene Stücke bei. „Anna“ hatte er schon 1972 mit Kossoff Kirke Tetsu Rabbit aufgenommen. Für „Weep No More“ nennt die Platte Jimmy Horowitz bei den Streichern. Gerade solche Unterschiede machen Lust, nicht nur die bekannten Titel herauszugreifen, sondern die Dramaturgie beider Plattenseiten des ursprünglichen Albums zu verfolgen.

Vier Persönlichkeiten, ein gemeinsamer Puls
Rodgers ist für Gesang, Gitarre und Klavier verzeichnet, Ralphs für Gitarre und Keyboards. Burrell am Bass und Kirke am Schlagzeug bilden das Fundament. Die Albumcredits ordnen diese Instrumente nicht lückenlos jedem Titel zu; Horowitz’ Beitrag ist dagegen ausdrücklich „Weep No More“ zugeordnet. Diese Unterscheidung bleibt auch in unserer Musikerliste erhalten.
Ein schöner Höransatz ist das Verhältnis von Stimme und Gitarrenphrase: Wo antwortet eine Figur auf Rodgers, wo bleibt Raum? Und wie verändern die beiden Kirke-Kompositionen den Zusammenhang? Solche Fragen holen Straight Shooter aus der bloßen Hit-Sammlung zurück in das, was ein geliebtes Album ausmacht: vertraute Momente, deren Nachbarschaft man immer wieder neu entdeckt.
Die Atlantic-75-Ausgabe auf 45 RPM
Diese Analogue-Productions-Ausgabe enthält das Originalprogramm auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 RPM. Ryan K. Smith übernahm das Mastering bei Sterling Sound; die Aufmachung ist ein Tip-on-Klappcover von Stoughton. Zur Bandquelle nennt die Hülle eine ¼-Zoll-Flachkopie des Originalmasters. Diese konkrete Angabe ist präziser als ein pauschales Versprechen vom Originalmasterband.
Die Serie unterscheidet bei der Fertigung zwischen den ersten nummerierten Exemplaren von Quality Record Pressings und weiteren Pressungen von QRP oder RTI. Eine bestimmte Nummerierung wird hier nicht zugesichert. Entscheidend für die Auswahl sind die eindeutig bezeichnete Ausgabe, ihr 45-RPM-Format und ein Album, dem man gerne die Zeit für alle acht Stücke gibt.
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Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Paul RodgersGesang, Gitarre, KlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Mick RalphsGitarre, KeyboardsMitwirkung: Album-Besetzung
- Boz BurrellBassMitwirkung: Album-Besetzung
- Simon KirkeSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
- Jimmy HorowitzStreicherMitwirkung: B1
Produktion: Bad Company. Aufnahme und Mischung: Ron Nevison. Albumcredits ohne vollständige Instrumentenzuordnung je Titel; Jimmy Horowitz: Streicher auf B1.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael erlebt diese Atlantic-75-Ausgabe als mitreißenden, gitarrenbetonten Bluesrock, den er am liebsten vom ersten bis zum letzten Stück hört. Für ihn knüpft Straight Shooter an die Qualität des zuvor erschienenen selbstbetitelten Bad-Company-Albums in der Reihe an. Eine Originalpressung von Straight Shooter konnte er ausdrücklich nicht zum Vergleich heranziehen.
🎧 Review video: INXS Kick- Bad Company Straight Shooter
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