Ein Ortswechsel mit Folgen
Chet Baker in New York bringt 1958 einen mit Kalifornien verbundenen Trompeter in eine andere musikalische Umgebung. In den Reeves Sound Studios trifft Baker auf Al Haig am Klavier, Paul Chambers am Bass und Philly Joe Jones am Schlagzeug. Johnny Griffin ergänzt bei drei der sechs Stücke das Ensemble am Tenorsaxofon. Die wechselnde Besetzung gibt dem Album seine besondere Dramaturgie.
Produzent Orrin Keepnews und Toningenieur Jack Higgins betreuen die Riverside-Aufnahme. Der Titel nennt also einen konkreten Arbeitsort und zugleich eine Begegnung. Baker muss seine musikalische Persönlichkeit dafür nicht neu erfinden. Interessant ist vielmehr, wie sein Trompetenspiel auf diese Partner reagiert und welche Möglichkeiten sich zwischen Quartett und Quintett ergeben.

Mit und ohne Johnny Griffin
„Fair Weather“, „Hotel 49“ und „Blue Thoughts“ sind die Stücke mit Griffin. Zwei davon, „Fair Weather“ und „Blue Thoughts“, stammen von Benny Golson. Wenn du auf die Beziehung der Bläser achtest, hörst du ein anderes Ensemble als in den drei Nummern, in denen die Trompete allein vor der Rhythmusgruppe steht. Schon diese Verteilung lohnt es, das Album in seiner ganzen Folge kennenzulernen.
„Polka Dots and Moonbeams“ bietet einen solchen Quartettmoment. Baker steht hier mit Haig, Chambers und Jones im Mittelpunkt. Du kannst dem Weg der Melodie folgen oder die Aufmerksamkeit bewusst auf die Begleitung lenken: Wann antwortet das Klavier, wie führt der Bass durch die Harmonien, und welche Akzente setzt das Schlagzeug? Die kleine Besetzung lässt diese Aufgaben gut verfolgen.

Sechs Stücke, vier Plattenseiten
„Hotel 49“ nimmt auf dieser Ausgabe eine vollständige Seite ein. Mit beinahe zehn Minuten ist es das längste Stück des ursprünglichen Albums. Auf der zweiten LP stehen zunächst „Solar“ und „Blue Thoughts“ zusammen; „When Lights Are Low“ erhält die letzte Seite. Die Aufteilung gibt längeren Darbietungen ihren eigenen Abschnitt, während das ursprüngliche Programm erhalten bleibt.
Das Album zeigt Baker ausschließlich als Instrumentalisten. Wer ihn vor allem als Sänger kennt, findet hier einen anderen Zugang: über Themen, Improvisationen und die Beziehungen innerhalb einer Jazzgruppe. Der Wechsel zwischen einem und zwei Bläsern bietet dabei einen konkreten roten Faden. Beim zweiten Durchgang lassen sich gerade die Stellen wiederentdecken, an denen die Begleiter das Gespräch in eine neue Richtung lenken.
Diese Ausgabe
AAPJ 206-45 gehört zur Analogue Productions Fantasy 45 Series. Die zwei 180-Gramm-LPs mit 45 RPM werden bei Quality Record Pressings gepresst. Das Mastering wird Kevin Gray und Steve Hoffman bei AcousTech Mastering zugeschrieben. Zur Ausstattung gehört ein Stoughton-Tip-On-Gatefold mit matter Oberfläche. Enthalten sind die sechs Titel des Originalalbums.
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Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Chet Baker | Trompete |
| Johnny Griffin | Tenorsaxofon |
| Al Haig | Klavier |
| Paul Chambers | Bass |
| Philly Joe Jones | Schlagzeug |
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael hebt die von Beginn an kristallklare, kraftvolle und direkte Trompete Chet Bakers hervor. Sein Urteil bezieht sich auf die besprochene AP-Ausgabe mit 45 RPM.
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