Eine Stimme vor dem Albumzeitalter
Moanin’ in the Moonlight beginnt mit einer Stimme, die sich kaum als bloßer Gesang beschreiben lässt. Howlin’ Wolf zieht Töne in die Länge, bricht sie auf und lässt zwischen ihnen Raum für die Band. Die erste LP des als Chester Arthur Burnett geborenen Musikers sammelte Singles aus den 1950er-Jahren. Sie wurde nicht als zusammenhängende Albumsession aufgenommen. Trotzdem hält diese Stimme die zwölf Stücke zusammen: Jede Aufnahme wird Teil derselben unverwechselbaren musikalischen Persönlichkeit.
Die Geschichte führt von Memphis nach Chicago. „Moanin’ at Midnight“ und „How Many More Years“ gehören zu Wolfs frühen Aufnahmen bei Sam Phillips in Memphis, die Chess veröffentlichte. Später arbeitete er in Chicago weiter. Auf der LP liegen diese Stationen dicht nebeneinander. Du kannst dadurch hören, wie sich die Begleitung verändert, während Wolfs Art, eine Zeile zu setzen, sofort erkennbar bleibt. Das Album bewahrt eine Entwicklung, die sich ursprünglich über einzelne Plattenseiten und mehrere Jahre vollzog.

Ein Riff, das nicht loslässt
„Smokestack Lightnin’“ gehört zu den bekanntesten Titeln der Sammlung. Das wiederkehrende Gitarrenmotiv schafft einen festen Bezugspunkt, über dem Wolf seine Rufe und Phrasen entfaltet. Die Musik lebt von der Spannung zwischen Wiederholung und Veränderung. Es ist ein guter Einstieg in seine Arbeitsweise: Die Band muss den Boden nicht ständig wechseln, damit im Gesang etwas passiert. Kleine Verschiebungen gewinnen gerade deshalb Gewicht, weil das Muster darunter vertraut bleibt.
Willie Dixons „Evil“ setzt einen anderen Akzent, während „Forty Four“ auf einen Blues von Roosevelt Sykes zurückgeht. Solche Verbindungen zeigen, dass Wolfs Repertoire in einem gemeinsamen musikalischen Vorrat verwurzelt ist. Seine Eigenart entsteht in der Ausführung. Auch Titel wie „No Place to Go“ oder „I Asked for Water“ bekommen ihre Form durch das Verhältnis zwischen der Stimme und den kurzen Antworten der Instrumente. Die Songs brauchen keinen großen Rahmen, um eine bestimmte Stimmung festzuhalten.

Die Band antwortet
Zur frühen Geschichte gehört Gitarrist Willie Johnson, zur späteren Chicagoer Arbeit Hubert Sumlin. Es lohnt sich, die Gitarren neben Wolf bewusst zu verfolgen: Sie füllen nicht einfach den Raum hinter dem Sänger. Eine Figur kann ihn antreiben, eine einzelne Note kann nach einem Satz stehen bleiben. Seine Mundharmonika ergänzt dieses Gespräch. Das Instrument hatte Wolf auch durch Sonny Boy Williamson II kennengelernt; in seinem eigenen Spiel fügt es sich in dieselbe körperliche, stark von Atem und Akzenten bestimmte Ausdrucksweise ein.
Hör nach einem bekannten Stück auch „Baby How Long“, „All Night Boogie“ oder „Somebody in My Home“. In der Folge zeigt sich die Spannweite einer Musik, die mit wenigen Grundmitteln sehr unterschiedliche Situationen gestaltet. Der Albumtitel verbindet dabei zwei Motive seines Repertoires: „Moanin’ at Midnight“ eröffnet die Platte, „Moanin’ for My Baby“ steht auf der zweiten Seite. Die Sammlung führt zu Wolf vor den späteren britischen Begegnungen und den großen Rock-Hommagen zurück. Hier steht sein eigenes Zusammenspiel mit seinen Musikern im Mittelpunkt.
Diese Ausgabe
Die Chess Acoustic Sounds Series legt Moanin’ in the Moonlight als einzelne 180-Gramm-LP mit 33⅓ U/min in Mono vor. Matt Lutthans masterte bei The Mastering Lab; der Herausgeber nennt die originalen analogen Bänder als Quelle. Die Pressung übernimmt Quality Record Pressings. Die Ausgabe ACHE 89587 wird im Tip-On-Gatefold geliefert und enthält die zwölf Titel der ursprünglichen Zusammenstellung. Es handelt sich um Wolfs erste LP, nicht um das spätere Album mit dem Schaukelstuhl auf dem Cover.
Mehr von Howlin‘ Wolf: The Real Folk Blues
Serie: Chess Records – alle 10 Platten: aus Singles wurden Alben
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Howlin' Wolf | Mundharmonika, Gesang |
| Willie Johnson | Gitarre |
| Willie Steele | Schlagzeug |
| Ike Turner | Klavier |
| Hubert Sumlin | Gitarre |
| Hosea Lee Kennard | Klavier |
| Willie Dixon | Kontrabass |
| Earl Phillips | Schlagzeug |
| Jody Williams | Gitarre |
| Otis Spann | Klavier |
| Lee Cooper | Gitarre |
| Fred Below | Schlagzeug |
| S. P. Leary | Schlagzeug |
| Alfred Elkins | Bass |
| Adolph "Billy" Dockins | Tenorsaxofon |
| Otis "Smokey" Smothers | Gitarre |
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael beschreibt die Aufnahme als rauen, unmittelbaren Blues. Er empfiehlt sie für ihre authentische musikalische Wirkung, warnt aber ausdrücklich davor, eine audiophile Klangvorführung wie Kind of Blue oder Steely Dan zu erwarten.
🎧 Review video: 6 Rock, Blues, Jazz Records for Beginners and Pros
Dieses Video kommt von YouTube (Google). Es wird erst geladen, wenn du in den Cookie-Einstellungen „Funktionen“ einschaltest.







Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.