Kingston findet neue Stimmen
Als Natty Dread 1974 erschien, war das vertraute Gesangstrio der Wailers auseinandergegangen. Peter Tosh und Bunny Wailer fehlten, Bob Marley stand nun mit einer veränderten Band im Mittelpunkt. Dennoch beginnt hier keine Geschichte eines Solisten ohne Vergangenheit. Aston „Family Man“ Barrett und sein Bruder Carlton hielten Bass und Schlagzeug zusammen; ältere Lieder wie „Lively Up Yourself“ und „Bend Down Low“ verbanden die neue Formation mit ihren jamaikanischen Anfängen. Das Album zeigt einen Umbau, bei dem erstaunlich viel musikalische Erinnerung erhalten blieb.
Eine neue Farbe brachten Rita Marley, Marcia Griffiths und Judy Mowatt hinein. Als I Threes übernahmen sie den Begleitgesang und veränderten das Verhältnis zwischen Marleys Stimme und ihren Antworten. Dazu kamen Bernard „Touter“ Harvey an den Tasten, Gitarrist Al Anderson und weitere Gäste. Aufgenommen wurde in Kingston und London, gemischt in den Basing Street Studios. Die internationale Arbeitsteilung gehört zur Entstehung dieser Musik ebenso wie ihre Verankerung in Jamaika.

Mundharmonika neben der Orgel
Lee Jaffe ist auf „Rebel Music“ und „Talkin’ Blues“ mit der Mundharmonika zu hören. Dieses kleine Instrument setzt eine andere Art von Akzent als der Gesang oder die elektrische Gitarre: Du kannst seinen Einsätzen folgen und darauf achten, wie viel Platz die Arrangements zwischen den Stimmen lassen. Jean Roussel ist unter anderem mit Hammond und Arrangement der Studiofassung von „No Woman, No Cry“ verbunden. Gerade dort lohnt sich die Rückkehr zum Album, wenn dir vor allem die spätere Konzertaufnahme vertraut ist.
Al Anderson erinnerte sich in einem Interview, wie Paul Kossoff ihn zu den Island Studios schickte. Seine ersten, stärker am Jazzrock orientierten Versuche passten noch nicht; schließlich spielte er Soli für „No Woman, No Cry“, „Them Belly Full“ und „Rebel Music“. Das ist eine aufschlussreiche Geschichte über musikalisches Einfügen. Die Gitarre musste eine eigene Sprache finden, die innerhalb des vorhandenen Rhythmus funktionierte. Ein virtuoser Gastauftritt allein hätte die Aufgabe nicht gelöst.

Neun Lieder zwischen Erinnerung und Widerstand
„No Woman, No Cry“ steht auf der Hülle mit Vincent Ford als Autor. Ford betrieb in Trenchtown eine Suppenküche; die Frage nach Marleys tatsächlicher Autorschaft gehört zu einer komplizierten Verlagsgeschichte. Die gedruckten Credits sollten deshalb nicht stillschweigend durch eine vereinfachte Liste ersetzt werden. Im Lied selbst liegt der Blick auf gemeinschaftlichem Alltag und Erinnerung. Dass die Lyceum-Fassung von 1975 später berühmter wurde, macht die frühere Studioversion umso interessanter.
Das Album führt von „Lively Up Yourself“ über Hunger und nächtliche Kontrolle bis zu „Revolution“. Die zweite Hälfte enthält neben dem Titelstück auch „So Jah Seh“, „Bend Down Low“ und „Talkin’ Blues“. Vertraute Melodien, politische Aussagen und Rastafari-Bezüge stehen dicht nebeneinander. Hör einmal darauf, wie Rita Marley und ihre beiden Mitsängerinnen innerhalb dieser wechselnden Themen eingesetzt werden. Ihre Beteiligung gibt dem Album eine zusätzliche Perspektive auf den Wechsel vom alten Wailers-Trio zur neuen Band.
Natty Dread auf zwei Spulen
RRAP 0043 ist die Ultra-Tape-Ausgabe von Analogue Productions: Viertelzollband, 15 ips und Zweispur-Stereo. Die erste Spule enthält die vier Titel der ursprünglichen A-Seite, die zweite die fünf der B-Seite. Der Herausgeber nennt eine ATR-modifizierte Ampex-Maschine mit Flux-Magnetics-Köpfen und einen eigens gestalteten Schuber. Für die Wiedergabe brauchst du eine passende Halbspurmaschine; IEC/CCIR wird in den Reihenangaben und der Editionsdokumentation genannt.
Bei der Quelle ist Präzision wichtig. Die Produktseite verweist auf Originalmasterbänder, während die allgemeine Ultra-Tape-Beschreibung ausdrücklich eine Kopie des analogen Originalmasters als Ausgangspunkt nennt. Die genaue Kopiergeneration dieses Titels ist damit nicht geklärt. Auch ein bestimmter Mastering-Ingenieur wird für das Band nicht ausgewiesen. Angaben zu Abbey Road, Vinylgewicht oder Presswerk aus den parallel erschienenen Schallplattenausgaben lassen sich auf dieses Tonband nicht übertragen.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden. Noch nicht vorrätige Ausgaben versenden wir nach Wareneingang.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Belegte Beteiligte. Die Besetzung oder die Zuordnung zu einzelnen Titeln ist teilweise offen.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Bob Marley | Leadgesang, Rhythmusgitarre | Ohne einzelne Titelzuordnung |
| Aston „Family Man“ Barrett | Bass | Ohne einzelne Titelzuordnung |
| Carlton Barrett | Schlagzeug, Perkussion | Ohne einzelne Titelzuordnung |
| Bernard „Touter“ Harvey | Klavier, Orgel | Ohne einzelne Titelzuordnung |
| Al Anderson | Leadgitarre | Belegt u. a.: 1-2, 1-3, 1-4 |
| Rita Marley | Begleitgesang (The I-Threes) | Ohne einzelne Titelzuordnung |
| Marcia Griffiths | Begleitgesang (The I-Threes) | Ohne einzelne Titelzuordnung |
| Judy Mowatt | Begleitgesang (The I-Threes) | Ohne einzelne Titelzuordnung |
| Jean Roussel | Hammondorgel, Keyboards, Arrangement | Belegt u. a.: 1-1, 1-2, 2-2 |
| Lee Jaffe | Mundharmonika | Belegt u. a.: 1-4, 2-4 |
Titelangaben nennen belegte Einsätze, keine vollständige Ausschlussliste. Eine Bläsergruppe ist nicht namentlich belegt.
🎧 Review video: Inside Abbey Road: Re-Mastering Bob Marley with Chad Kassem & Michael Ludwigs
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