Von Kingston nach Miami
Rastaman Vibration entstand nach einem Jahr, in dem die Wailers mit Live! und ihren Konzerten ein neues internationales Publikum erreicht hatten. Ende 1975 und Anfang 1976 nahm die Band in Kingston auf: bei Harry J und in Joe Gibbs’ Studio. Sylvan Morris und Errol Thompson betreuten die Aufnahmen. Für die Mischung führte der Weg anschließend nach Miami in die Criteria Studios. Dort arbeiteten Aston „Family Man“ Barrett und Chris Blackwell mit Alex Sadkin und Jack Nuber.
Diese Wege erklären einen Teil der besonderen Stellung des Albums. Die Musik blieb eng mit der jamaikanischen Band verbunden und wurde zugleich für eine immer größere Öffentlichkeit produziert. Marley sang und spielte Gitarre; die Barrett-Brüder, Tyrone Downie, Earl „Chinna“ Smith, Alvin „Seeco“ Patterson und die I Threes gehören zu den ausgewiesenen Beteiligten. Der Erfolg war beträchtlich: Rastaman Vibration erreichte als erstes Marley-Album die amerikanischen Top Ten. Sein Blick auf soziale Konflikte wurde dadurch keineswegs nebensächlich.

Ein Bluesgitarrist hört auf den Reggae
Donald Kinsey kam aus einer anderen musikalischen Familie. Sein Vater Big Daddy Kinsey war Bluesmusiker, Donald selbst hatte bereits mit Albert King gearbeitet. Auf Rastaman Vibration ist er als Leadgitarrist beteiligt; in den weiterführenden Besetzungsangaben werden besonders „Johnny Was“ und „Roots, Rock, Reggae“ mit seinen Overdubs verbunden. Seine Biografie führt später auch zu Peter Tosh. Die jamaikanische und die amerikanische Musikgeschichte berühren sich hier in der Arbeit eines konkreten Musikers.
Fürs Hören ist dieser Hintergrund ein schöner Ausgangspunkt: Verfolge die Gitarre nicht nur als Solo, sondern innerhalb des Geflechts aus Bass, Schlagzeug, Tasten und Stimmen. „Roots, Rock, Reggae“ setzt die Musik selbst ins Zentrum, während „Johnny Was“ eine ganz andere erzählerische Aufgabe übernimmt. Die I Threes bleiben in beiden Fällen mehr als eine zusätzliche Klangfläche. Ihre Antworten gehören zur Gestaltung der Lieder und zur Rollenverteilung innerhalb dieser Wailers-Besetzung.

Eine Rede wird zum Lied
„War“ greift eine Rede Haile Selassies vor den Vereinten Nationen vom 4. Oktober 1963 auf. Marley macht daraus eine musikalische Erklärung gegen rassistische Hierarchien. Wer dem Text folgt, begegnet hier einer politischen Quelle, die mehr als ein Jahrzehnt vor der Aufnahme entstand. Das Stück steht gegen Ende des Albums, ist aber nicht sein Schluss: Danach folgt „Rat Race“. Diese Reihenfolge gehört zum Aufbau der ursprünglichen zehn Titel und bleibt auf der Tonbandausgabe erhalten.
Daneben gibt es Rückgriffe in die eigene Geschichte. „Cry to Me“ erneuert ein älteres Wailers-Lied, und „Who the Cap Fit“ ist mit „Man to Man“ aus der Lee-Perry-Zeit verbunden. Selbst das Cover trägt eine konkrete Herkunft: Neville Garrick gestaltete sein Marley-Motiv auf Sackleinen und verband dieses Material mit Rastafari. Das ursprüngliche Album vereint also ältere Lieder, gegenwärtige Konflikte und eine bewusst gewählte Bildsprache. Die zehn Stücke lassen sich auch als Weg durch diese verschiedenen Zeitschichten hören.
Diese Ausgabe verlangt eine Bandmaschine
RRAP 0044 gehört zu Analogue Productions’ Ultra-Tape-Reihe. Das Album liegt auf zwei Viertelzollspulen mit 15 ips und Zweispur-Stereo vor. Die Entzerrung wird als IEC angegeben. Spule eins reicht von „Positive Vibration“ bis „Want More“, Spule zwei von „Crazy Baldhead“ bis „Rat Race“. Der Herausgeber nennt eine ATR-modifizierte Ampex-Maschine mit Flux-Magnetics-Köpfen und einen Schuber. Die Ausgabe enthält das ursprüngliche Album, keine Deluxe-Mischungen oder späteren CD-Bonustitel.
Auf derselben Produktseite stehen unterschiedliche Quellenformulierungen: Ein Stichpunkt nennt Originalmasterbänder, der Fließtext dagegen eine Kopie des analogen Originalmasters. Deshalb lässt sich weder eine direkte Kopie vom Original noch eine bestimmte Bandgeneration zusichern. Ein eigener Mastering-Credit für diese Tonbandausgabe fehlt ebenfalls. Für deine Anlage entscheidend sind zunächst die tatsächlichen Wiedergabeparameter: Halbspur-Stereo, 15 ips und IEC. Die Bezeichnung NAB bei den Spulen beschreibt deren Aufnahme, nicht automatisch die erforderliche Entzerrung.
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Beteiligte Musiker
Belegte Beteiligte. Die Besetzung oder die Zuordnung zu einzelnen Titeln ist teilweise offen.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Bob Marley | Leadgesang, Rhythmusgitarre, Akustikgitarre, Perkussion | Ohne einzelne Titelzuordnung |
| Aston „Family Man" Barrett | Fender-Bass, Gitarre, Perkussion | Belegt u. a.: B4 |
| Carlton Barrett | Schlagzeug, Perkussion | Belegt u. a.: B4 |
| Tyrone Downie | Keyboards, Bass, Perkussion, Begleitgesang | Belegt u. a.: B4 |
| Earl „Chinna" Smith | Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Perkussion | Belegt u. a.: B4 |
| Donald Kinsey | Leadgitarre | A2, A3 |
| Alvin „Seeco" Patterson | Perkussion | Belegt u. a.: B4 |
| Rita Marley | Begleitgesang (I Threes) | Belegt u. a.: B4 |
| Marcia Griffiths | Begleitgesang (I Threes) | Belegt u. a.: B4 |
| Judy Mowatt | Begleitgesang (I Threes) | Belegt u. a.: B4 |
| Al Anderson | Leadgitarre | B1 |
| Tommy McCook | Saxofon | A2 |
Die Hülle weist viele Rollen ohne einzelne Titelzuordnung aus. B4 ist „War“; zusätzliche dort belegte Einsätze bedeuten nicht, dass die Musiker nur dort spielen.
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