Burnin’
Bevor Bob Marley zum weltweiten Bezugspunkt wurde, waren die Wailers ein Zusammenspiel dreier unverwechselbarer Persönlichkeiten. Burnin’ hält diesen Moment fest: Marley, Peter Tosh und Bunny Wailer stehen 1973 noch gemeinsam im Zentrum. Es ist ihr letztes Studioalbum als ursprüngliches Trio. Gerade deshalb lohnt es sich, nicht ausschließlich der bekanntesten Stimme zu folgen. Die Platte erzählt auch davon, was unterschiedliche Temperamente gemeinsam hervorbringen können.

Kingston und London gehören beide dazu
Die Grundaufnahmen entstanden in Harry J’s Studio in Kingston. Für Overdubs und Mischung ging es anschließend in Islands Basing Street Studios in London. Das Album ist also weder einfach eine Londoner Produktion noch eine unveränderte Momentaufnahme aus einem einzigen jamaikanischen Aufnahmeraum. In seiner Entstehung treffen die gewachsene Arbeit der Band und ihr neuer internationaler Wirkungsraum aufeinander.
Für uns ist das ein interessanterer Zugang als die Vorstellung eines plötzlichen Durchbruchs aus dem Nichts. Die Wailers hatten bereits lange miteinander gearbeitet. Einige Stücke bringen sogar ihre eigene Vorgeschichte mit: „Put It On“, „Small Axe“ und „Duppy Conqueror“ wurden für dieses Album neu aufgenommen. Burnin’ schaut damit zugleich nach vorn und zurück. Es erfindet nicht jede Idee neu, sondern zeigt, wie Musiker ihr eigenes Material weiterdenken.

Drei Persönlichkeiten statt einer einzigen Farbe
„Get Up, Stand Up“ stellt gleich zu Beginn eine Forderung in den Raum. Doch die Platte bleibt nicht in dieser einen Haltung stehen. „Hallelujah Time“ und „Pass It On“ öffnen andere Perspektiven; „One Foundation“ gehört zu Peter Toshs Beiträgen. Der Wechsel zwischen den Stimmen ist Teil des musikalischen Zusammenhangs und kein bloßes Abwechseln vor demselben Mikrofon.
Beim nächsten Durchgang lohnt ein kleines Experiment: Höre nicht nur auf die jeweilige Hauptstimme, sondern darauf, wie sich mit ihr die Wirkung der Gruppe verändert. Eine schärfer gesetzte Phrase, eine weichere Antwort, ein gemeinsamer Abschluss können denselben rhythmischen Boden ganz anders erscheinen lassen. So wird aus dem historischen Wissen um das Trio eine konkrete Hilfe beim Hören.
Bunny Wailers lange Erinnerung
Bunny Wailer erinnerte sich später, „Pass It On“ bereits um 1962 geschrieben zu haben. Auf „Burnin’“ erscheint damit ein Gedanke, der rund ein Jahrzehnt auf seine Albumgestalt gewartet hatte. Diese zeitliche Tiefe verändert den Blick auf die Platte. Sie ist nicht ausschließlich eine spontane Reaktion auf den internationalen Erfolg von „Catch a Fire“, sondern enthält auch Musik, die ihre eigene längere Vorgeschichte mitbringt.
Ebenso aufschlussreich ist Bunnys Erinnerung an „Reincarnated Souls“ als vorgesehenen Albumtitel. Das betreffende Stück landete nicht im ursprünglichen Zehnerprogramm. Solche Aussagen zeigen, dass eine später scheinbar unverrückbare Albumidentität während der Entstehung noch offen sein konnte. Es sind Erinnerungen eines Beteiligten, keine nachträglich allwissend erzählte Legende.
Gerade deshalb lohnt es sich, „Pass It On“ neben die bekannteren Titel zu stellen. „Get Up, Stand Up“ und „I Shot the Sheriff“ haben ein gewaltiges Eigenleben entwickelt; Bunnys Beitrag führt zu einer anderen Art von Nachdruck. Auf derselben Platte stehen verschiedene Vorstellungen davon, wie eine Botschaft ihre Hörer erreicht. Das macht „Burnin’“ als Gruppenalbum interessanter, als es eine bloße Sammlung der großen Marley-Songs wäre.
Diese Ausgabe
Analogue Productions · UHQR · AUHQR 0025
Eine LP · 33⅓ RPM · 200 Gramm Clarity Vinyl · Quality Record Pressings (QRP). Frank Arkwright und Ryan K. Smith verantworten das Mastering in den Abbey Road Studios, als Quelle dient das originale Masterband. Die nummerierte Ausgabe ist auf 4.500 Exemplare begrenzt und wird in der UHQR-Box mit Begleitmaterial geliefert. Enthalten sind die zehn Titel des ursprünglichen Albums, ohne zusätzliche Session-Outtakes.
Auch als SACD: Burnin’
Im Magazin: Burnin’ als UHQR im Hörvergleich mit jamaikanischen und britischen Pressungen
Auch als LP mit 45 RPM: Burnin‘
Künstlerseite: Alle Titel von Bob Marley & The Wailers
Kundenfrage: UHQR sammeln: limitierte Ausgaben großer Alben
Serie: UHQR – alle 31 Ausgaben mit Auflage und Mastering
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- Bob MarleyGesang, Gitarre
- Peter ToshTasteninstrumente, Gesang, Gitarre
- Bunny WailerPerkussion, Gesang
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael hört bei der 33⅓-RPM-UHQR mehr Tiefe, Details und eine stabilere räumliche Abbildung als bei seiner jamaikanischen Vergleichspressung. Die zusätzliche Information verstärkt für ihn die ursprüngliche Energie und Rauheit der Musik. Auch die jamaikanische und die frühe britische Ausgabe schätzt er weiterhin; die 45er war bei diesem Vergleich noch nicht gehört.
🎧 Review video: More Detail, Same Rebel Spirit? Bob Marley’s Burnin’ & Natty Dread UHQRs
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