Ellington und Hodges im kleinen Kreis
Duke Ellington am Klavier, Johnny Hodges am Altsaxofon: Diese beiden Namen erzählen bereits von einer langen gemeinsamen Geschichte. Auf Back To Back begegnen sie sich im Februar 1959 in New York in einer kleinen Besetzung. Die große Orchesterarchitektur tritt zurück, und der Blues wird zum gemeinsamen Ausgangspunkt. Das 1959 bei Verve erschienene Album trägt den Untertitel Duke Ellington And Johnny Hodges Play The Blues. Er beschreibt präzise, was hier zählt: vertraute Formen, ausgeprägte Persönlichkeiten und die Freiheit, mit wenigen Mitteln sehr viel zu sagen.
Unter der Aufsicht von Norman Granz entsteht Musik, deren Reiz auch in der veränderten Perspektive liegt. Ellington ist unmittelbar als Pianist zu erleben. Hodges bekommt Raum für die Beweglichkeit und den vokalen Charakter seines Tons. Man muss die Geschichte des Ellington-Orchesters nicht kennen, um diesem Austausch zu folgen. Wer sie kennt, hört zwei zentrale Stimmen dieser Welt aus einer anderen Nähe. Das kleine Ensemble macht hörbar, wie viel Charakter bereits in einer Wendung oder einer harmonischen Antwort stecken kann.

Sieben Musiker, wechselnder Bass
Harry „Sweets“ Edison ergänzt das Altsaxofon mit Trompete, Les Spann spielt Gitarre und Jo Jones Schlagzeug. Am Bass wechseln sich Sam Jones und Al Hall ab. Hall ist auf „Wabash Blues“ und „Weary Blues“ dokumentiert, Jones auf den übrigen fünf Stücken. Es spielen also nicht sieben Musiker gleichzeitig durch das gesamte Programm; die unterschiedlichen Bassbesetzungen gehören zur Geschichte der Aufnahmen. Auch Jo Jones verdient den genauen Namen: Hier sitzt der als „Papa Jo“ bekannte Schlagzeuger am Set.
Die Instrumentierung hält mehrere Klangfarben bereit, ohne die Musik zu überfrachten. Neben Hodges’ Altsaxofon steht Edisons Trompete als eigene Stimme; Ellington und Spann können sowohl rhythmisch als auch harmonisch antworten. Ein schöner Zugang ist, beim ersten Hören dem Bläserdialog zu folgen und beim zweiten den Hintergrund zu beobachten. Wo setzt das Klavier einen Kommentar? Wie viel Bewegung entsteht, obwohl gerade niemand ein großes Solo spielt? Solche Fragen führen direkt zum handwerklichen Vergnügen einer guten kleinen Jazzbesetzung.

Ein Weg durch die Geschichte des Blues
Das Programm umfasst sieben Stücke. „Wabash Blues“ eröffnet, gefolgt von „Basin Street Blues“ und „Beale Street Blues“. Auf der zweiten Seite stehen „Weary Blues“, „St. Louis Blues“, „Loveless Love“ und „Royal Garden Blues“. Bereits die Titel führen durch ein kulturelles Gedächtnis von Straßen, Städten und musikalischen Begegnungen. Mit mehreren Kompositionen von W. C. Handy greift das Album weit vor seine eigene Entstehungszeit zurück. Die Musiker behandeln dieses Material als lebendige Sprache, die weiterhin Veränderungen und persönliche Akzente zulässt.
Gerade die Vertrautheit der Formen lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wie. Eine kleine Verzögerung vor einem Einsatz, eine neue Klangfarbe oder ein anders gesetzter Akkord verändern das Gewicht einer Melodie. Back To Back braucht dafür keine spektakuläre Dramaturgie. Seine Spannung wächst aus dem Zusammenspiel erfahrener Musiker, die nicht jede Möglichkeit gleichzeitig ausschöpfen müssen. Für einen entspannten Abend ist das unmittelbar zugänglich; für konzentriertes Hören bietet es genügend Einzelheiten, um immer wieder an dieselben Stellen zurückzukehren.
Verve Acoustic Sounds Series
Die hier angebotene Ausgabe AVER 512449 ist eine Stereo-LP mit 33⅓ U/min und 180 Gramm aus der Verve Acoustic Sounds Series. Das Mastering stammt von Bernie Grundman. Der Herausgeber nennt die originalen Analogbänder als Quelle; gepresst wird bei Quality Record Pressings. Diese Veröffentlichung unterscheidet sich von separat erschienenen 45-RPM- und SACD-Ausgaben mit anderen Masteringcredits. Für die Auswahl lohnt es sich deshalb, auf Katalognummer, Format und Bearbeiter gemeinsam zu achten. Das Album bleibt hier auf zwei Seiten einer einzelnen Schallplatte verteilt.
Stoughton Printing liefert das Tip-on-Klappcover. Die solide Ausstattung passt zu einer Platte, deren eigentlicher Luxus die Aufmerksamkeit für kleine musikalische Unterschiede ist. Wer Ellington und Hodges über die großen Orchesteraufnahmen hinaus entdecken möchte, findet hier einen besonders direkten Zugang. Back To Back bewahrt die Würde des alten Materials und zugleich die Lust, es im Augenblick neu zu formen. Das ist Jazz, bei dem Erfahrung nicht als Gewicht auf der Musik liegt, sondern Bewegungsfreiheit schafft.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Johnny HodgesAltsaxofon, LeaderMitwirkung: Album-Besetzung
- Duke EllingtonKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Harry EdisonTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Les SpannGitarreMitwirkung: Album-Besetzung
- Sam JonesBassMitwirkung: A2, A3, B2, B3, B4
- Al HallBassMitwirkung: A1, B1
- Jo JonesSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Johnny Hodges (Altsaxofon), Duke Ellington (Klavier), Harry „Sweets“ Edison (Trompete), Les Spann (Gitarre), Jo Jones (Schlagzeug) – auf allen sieben Titeln; Bass: Sam Jones (A2, A3, B2–B4), Al Hall (A1, B1). Aufgenommen in New York im Februar 1959 (Tag der Al-Hall-Titel in den Quellen uneinheitlich). Unter der Aufsicht von Norman Granz. Liner Notes: Leonard Feather; Titelfoto: Burt Goldblatt; Art Direction: Sheldon Marks. Diese Ausgabe: Mastering und Lackschnitt Bernie Grundman; gepresst bei Quality Record Pressings; Hülle Stoughton Printing; betreut von Chad Kassem.













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