Eine Gitarre, viele Möglichkeiten
Kenny Burrells Guitar Forms trägt seine Idee schon im Titel. Hier geht es um die verschiedenen Gestalten, die eine Gitarre im Jazz annehmen kann: als Stimme vor einem Orchester, als Partner einer kleinen Gruppe und ganz für sich allein. Das 1965 erschienene Verve-Album entstand bei mehreren Terminen zwischen Dezember 1964 und April 1965, produziert von Creed Taylor. Burrell bleibt dabei der Mittelpunkt, ohne dass jede Nummer denselben Rahmen bekommen müsste.
Gerade dieser Wechsel macht neugierig. Auf ein knappes Combostück kann eine weit ausgreifende Orchesterlandschaft folgen; neben elektrischer Gitarre steht ein klassisches Instrument. Wer Burrell vor allem als Bluesgitarristen kennt, findet hier eine Einladung, seinen musikalischen Horizont weiter zu ziehen. Die Vertrautheit mit dem Blues ist ein Ausgangspunkt, von dem aus sich ganz unterschiedliche Räume öffnen.

Gil Evans und die Farben um eine Melodie
Gil Evans arrangierte und leitete die Orchesterstücke. Seine Besetzungen verbinden Blechbläser mit ungewöhnlich differenzierten Holzbläserfarben. Flöten, Englischhorn, Bassklarinette und Fagott gehören zur dokumentierten Instrumentierung. Es lohnt sich, beim Hören einmal nicht nur der Solostimme zu folgen, sondern auch darauf zu achten, wie sich eine Melodie gegen diese wechselnden Hintergründe abzeichnet.
Bei den Einzelbesetzungen nennen die Quellen teilweise alternative Musiker. Deshalb weist unsere Liste diese Unsicherheiten ausdrücklich aus. Für das musikalische Konzept ist die Zusammenarbeit dagegen eindeutig: Burrells Gitarre trifft auf Evans’ Vorstellung vom Orchester als beweglichem Klangkörper. Lotus Land, mit rund neuneinhalb Minuten das längste Stück, bietet diesem Zusammenspiel besonders viel Raum. Auch Moon And Sand und Last Night When We Were Young gehören zu diesem Teil des Albums.

Vom kleinen Ensemble zur Solostimme
Auf Downstairs, Terrace Theme und Breadwinner spielen Roger Kellaway, Joe Benjamin, Grady Tate und Willie Rodriguez mit Burrell. Interessant ist auch die Herkunft der Stücke: Downstairs stammt von Elvin Jones, Terrace Theme von Joe Benjamin. Das Programm holt seine Ideen also nicht ausschließlich aus dem großen Fundus bekannter Standards.
Ein besonders schöner Gegenpol ist der Ausschnitt aus Gershwins Prelude #2: Hier steht Burrell allein. Dazu kommt seine eigene Komposition Loie, ebenfalls mit klassischer Gitarre. Die traditionelle Melodie Greensleeves erhält wiederum ein Arrangement von Gil Evans. So entsteht ein Album, dessen Zusammenhalt aus der Persönlichkeit des Gitarristen wächst. Eine lohnende Hörfrage ist, wie Burrell seine Phrasierung verändert, wenn die Begleitung wechselt oder ganz wegfällt.
Guitar Forms in der Acoustic Sounds Series
Diese Verve/UMe-Ausgabe der Acoustic Sounds Series erschien 2024 als Stereo-LP mit 33⅓ Umdrehungen und 180 Gramm Vinyl. Ryan K. Smith übernahm das Mastering bei Sterling Sound; gepresst wurde bei Quality Record Pressings. Dazu gehört ein Stoughton-Tip-on-Gatefold-Cover. Als Quelle nennt der Herausgeber die originalen analogen Bänder.
Damit ist die konkrete Ausgabe beschrieben, ohne aus der Bandangabe eine weitergehende, unbelegte Aussage über jede einzelne Produktionsstufe abzuleiten. Der musikalische Reiz liegt ohnehin in der Vielfalt dieser neun Stücke: Guitar Forms ist eine Platte für die Lust am genauen Hinhören – auf Saiten, auf Farben und auf die Begegnung zweier sehr eigenständiger musikalischer Vorstellungen.
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Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Kenny BurrellGitarreMitwirkung: Album-Besetzung
- Roger KellawayKlavierMitwirkung: A1, A3, B5
- Joe BenjaminBassMitwirkung: A1, A3, B5
- Grady TateSchlagzeugMitwirkung: A1, A3, B5
- Willie RodriguezCongaMitwirkung: A1, A3, B5
- Gil EvansArrangement, LeitungMitwirkung: A2, B1, B2, B4, B3
- Johnny ColesTrompeteMitwirkung: A2, B1, B2, B4 · Alternative, siehe Credits
- Louis MucciTrompeteMitwirkung: A2, B1, B2, B4 · Alternative, siehe Credits
- Jimmy ClevelandPosauneMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Jimmy KnepperPosauneMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Ray AlongeHornMitwirkung: A2, B1, B2, B4 · Alternative, siehe Credits
- Julius WatkinsHornMitwirkung: A2, B1, B2, B4 · Alternative, siehe Credits
- Bill BarberTubaMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Andy FitzgeraldFlöte, EnglischhornMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- George MargeFlöte, EnglischhornMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Ray BeckensteinFlöte, Altflöte, BassklarinetteMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Bob TricaricoFagott, Tenorsaxofon, FlöteMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Steve LacySopransaxofonMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Lee KonitzAltsaxofonMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Richie KamucaTenorsaxofon, OboeMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Ron CarterBassMitwirkung: A2, B1, B2, B4
- Elvin JonesSchlagzeugMitwirkung: A2, B1, B2, B4 · Alternative, siehe Credits
- Charlie PersipSchlagzeugMitwirkung: A2, B1, B2, B4 · Alternative, siehe Credits
- José Mangual Sr.PerkussionMitwirkung: A2, B1, B2, B4 · nur ergänzende Enzyklopädie
Die Orchesterquellen nennen teilweise Alternativen: Johnny Coles oder Louis Mucci, Ray Alonge oder Julius Watkins, Elvin Jones oder Charlie Persip. José Mangual Sr. ist nur in einer ergänzenden Enzyklopädie genannt. Die Einzelbesetzung von Greensleeves bleibt offen. A4 ist Kenny Burrell solo.






















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