Ein Clubabend wartet fünfundzwanzig Jahre
Am 14. Oktober 1960 spielte Ben Webster mit seinem Quintett im Renaissance in Hollywood. Howard Holzer hielt den Abend vor Ort fest, Lester Koenig war der Produzent. Die erste LP daraus erschien jedoch erst 1985. Zwischen Aufnahme und Veröffentlichung lag ein Vierteljahrhundert; sowohl Webster als auch Koenig waren inzwischen gestorben. At the Renaissance ist deshalb zugleich ein Konzertalbum und eine späte Öffnung des Contemporary-Archivs. Der Klang eines einzelnen Abends gelangte unter ganz anderen zeitlichen Voraussetzungen an die Öffentlichkeit.
Die Hülle bewahrt Spuren dieses langen Weges. Koenigs Begleittext trägt ein Datum aus dem Februar 1972, Ed Michels ergänzende Notizen stammen vom August 1985. Warum die Platte trotz der früheren Notizen noch nicht erschienen war, lässt sich aus den verfügbaren Angaben nicht sicher erklären. Die belegte Geschichte ist auch ohne eine erfundene Archivlegende bemerkenswert genug: Musiker, Produzent und spätere Albumredaktion gehören hier zu verschiedenen Abschnitten desselben Veröffentlichungswegs.

Jim Hall an Websters Seite
Webster spielte mit Jimmy Rowles am Klavier, Jim Hall an der Gitarre, Red Mitchell am Bass und Frank Butler am Schlagzeug. Hall hatte in Los Angeles unter anderem mit Chico Hamilton und Jimmy Giuffre gearbeitet. Rowles wiederum war ein erfahrener Begleiter von Sängerinnen und hatte bereits andere Aufnahmen mit Webster gemacht. Die Besetzung verbindet den Tenorsaxofonisten mit Musikern, deren Arbeit häufig vom genauen Zuhören auf die jeweilige musikalische Umgebung geprägt war.
Mit Gitarre und Klavier stehen zwei Harmonieinstrumente neben dem Tenor. Das eröffnet einen lohnenden Hörweg: Verfolge einmal Halls Beiträge und anschließend Rowles’ Klavier, während Webster die Melodie gestaltet. Auch Mitchell und Butler sind eigenständige Partner. Der nach dem Club benannte „Renaissance Blues“ wird allen fünf Musikern gemeinsam zugeschrieben. Die Autorenzeile macht damit sichtbar, was bei einer Clubaufnahme leicht hinter dem prominenten Namen des Bandleaders verschwindet: Hier wurde Musik von einer ganzen Gruppe getragen.

Carmichael, Ellington und ein gemeinsamer Blues
„Georgia on My Mind“ eröffnet die Platte, „Stardust“ beschließt sie. Beide Stücke führen zu Hoagy Carmichael. Dazwischen steht mit „Caravan“ ein Titel aus dem Ellington-Kreis, der auch an Websters eigene Zeit in Duke Ellingtons Orchester erinnert. „Ole Miss Blues“ stammt von W. C. Handy; Cole Porters „What Is This Thing Called Love“ ergänzt das Programm. Die Auswahl bewegt sich durch Lieder, mit denen Webster und seine Kollegen unterschiedliche musikalische Erfahrungen verbinden konnten.
„Caravan“ und „Stardust“ dauern jeweils ungefähr zehn Minuten oder länger. Die Themen erhalten damit Raum über die reine Melodievorstellung hinaus. Zugleich ist nicht alles enthalten, was an jenem Abend aufgenommen wurde. Die Diskografie verzeichnet acht Titel, diese LP sechs. „Gone with the Wind“ und „Mop Mop“ fehlen. Frühere Veröffentlichungen kombinierten das Material anders; insbesondere eine ältere Analogue-Productions-Ausgabe verwendete „Mop Mop“ anstelle von „Renaissance Blues“. Derselbe Albumtitel garantiert hier also keine identische Zusammenstellung.
Sechs Aufnahmen auf einer LP
Die vorliegende ACONC 388 gehört zu Crafts Contemporary Records Acoustic Sounds Series. Sie ist eine einzelne 180-Gramm-LP, gepresst bei Quality Record Pressings und verpackt in einer Tip-on-Hülle. Bernie Grundman verantwortet den Lackschnitt. Craft nennt Originalmasterbänder und eine AAA-Kette; der Herausgeber beschreibt die historische Aufnahme zudem als direkte analoge Zweispuraufnahme ohne Overdubs. Das ist für die Einordnung eines Konzertmitschnitts eine konkrete Angabe zum ursprünglichen Arbeitsverfahren.
Die Neuauflage folgt mit „Renaissance Blues“ der sechsteiligen Auswahl, die auch von der späteren OJC-LP bekannt ist. Sie ist weder die ursprüngliche Vier-Titel-Veröffentlichung von 1985 noch die vollständige Acht-Titel-CD. Wer über den Namen Webster kommt, findet hier außerdem einen schönen Anschluss an Helen Humes’ Songs I Like to Sing!: Nur wenige Wochen vor diesem Clubabend hatte er an deren Contemporary-Sessions teilgenommen. Beide Platten zeigen denselben Musiker in sehr verschiedenen Aufgaben und machen das damalige musikalische Netzwerk greifbar.
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Serie: Contemporary – alle 24 Platten: sonniger Jazz aus Los Angeles
Beteiligte Musiker
Die Besetzung dieser Albumfassung ist belegt. Angaben zu einzelnen Titeln stehen in der letzten Spalte.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Ben Webster | Tenorsaxofon, Leader | Album-Besetzung |
| Jimmy Rowles | Klavier | Album-Besetzung |
| Jim Hall | Gitarre | Album-Besetzung |
| Red Mitchell | Bass (Kontrabass) | Album-Besetzung |
| Frank Butler | Schlagzeug | Album-Besetzung |









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