Melodien mit aufgestellten Ellbogen
Man erinnert sich an den Trotz. Beim Wiederhören fällt auf, wie viel Melodie darin steckt. „My Generation“ ist nicht bloß der erste große Aufschrei der Who, sondern das Debüt einer Band, deren Mitglieder schon 1965 sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein Song leisten kann.
Unter Produzent Shel Talmy treffen ihre Rhythm-and-Blues-Wurzeln auf Pete Townshends eigene Stücke. Roger Daltrey gibt ihnen eine Stimme, die sich nicht freundlich einordnet; John Entwistle und Keith Moon begnügen sich längst nicht mit dem Hintergrund. Gerade weil hier so viele Kräfte gleichzeitig ziehen, bleiben selbst die kurzen Songs in Bewegung.

Mehr als der berühmte Titelsong
Im Titelsong bekommt der Bass einen Moment, in dem er nicht stützt, sondern spricht. Entwistles Einwürfe und Daltreys abgebrochene Phrasen machen aus dem Song mehr als eine Parole. Die Band wirkt, als müsse sie sich ihren Platz in jedem Takt erst freispielen.
Dann „The Kids Are Alright“: plötzlich diese Leichtigkeit der Melodie und der Stimmen, ohne dass die Spannung verschwindet. Am anderen Ende steht „The Ox“, das instrumentale Finale. Zwischen solchen Polen entsteht der Reiz des Albums – nicht allein in seiner Lautstärke, sondern im Nebeneinander von Gespür für Popsongs und Lust am Kontrollverlust.

Warum die ursprüngliche Mono-Fassung wichtig ist
Das britische Debüt erschien im Dezember 1965 bei Brunswick; die amerikanische Ausgabe folgte 1966 unter dem erweiterten Titel „The Who Sings My Generation“. Produzent Shel Talmy hatte auch mit den Kinks gearbeitet. Damit gehört die Platte in eine konkrete Londoner Studiowelt, in der junge Bands ihre amerikanischen Einflüsse nicht bloß nachspielten, sondern in eine eigene, deutlich ungeduldigere Sprache überführten. Der Titelsong ist dafür das bekannteste Beispiel, aber keineswegs die ganze Geschichte.
Bei dieser Ausgabe ist „Mono“ außerdem mehr als eine nostalgische Formatangabe. Für die 2014 angefertigten Stereomischungen, die später in der Super-Deluxe-Ausgabe erschienen, ergänzten Roger Daltrey und Pete Townshend fehlende Bestandteile durch neue Einspielungen. Die Band dokumentiert ausdrücklich den Versuch, dafür passende ursprüngliche Instrumente und Mikrofontypen einzusetzen. Diese AP-Ausgabe präsentiert dagegen die ursprüngliche Mono-Fassung. Man kauft also nicht einfach dieselbe Mischung mit weniger räumlicher Breite, sondern einen anderen historischen Bezugspunkt.
Das macht den Vergleich der Fassungen für Sammler reizvoll, ohne dass man daraus ein pauschales Urteil gegen Stereo ableiten muss. Hier geht es um das Album als Veröffentlichung seiner Zeit: Gesang, Gitarren, Bass und Schlagzeug teilen sich ein gemeinsames Zentrum. Die raue Direktheit muss sich nicht zu einer späteren Rekonstruktion erklären. Sie darf genau das sein, was diese junge Band auf Platte setzte.
Diese Ausgabe
Analogue Productions · 2 LPs · 180-Gramm-Vinyl · 45 RPM · Mono. Mastering von den analogen Original-Masterbändern: Chris Bellman, Bernie Grundman Mastering. Presswerk: Quality Record Pressings (QRP). Tip-on-Gatefold-Cover von Stoughton Printing.
Auch als SACD: My Generation
Im Hörvergleich: My Generation auf 45 RPM gegen die deutschen Pressungen
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Kundenfrage: The Who von Analogue Productions: welche Ausgabe?
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- Roger DaltreyLeadgesang, Mundharmonika
- Pete TownshendBegleitgesang, Leadgesang, Gitarre
- John EntwistleBegleitgesang, E-Bass
- Keith MoonSchlagzeug
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Im Vergleich mit seiner deutschen Erstpressung und einer deutschen Wiederveröffentlichung von 1981 hört Michael bei dieser Monoausgabe mit 45 RPM deutlich mehr Klarheit, Dynamik und unmittelbare Kraft. Besonders der druckvolle Monoklang überrascht ihn. Eine britische Originalpressung stand ihm für diesen Vergleich nicht zur Verfügung.
🎧 Review video: The Who at 45 RPM vs First Pressings – How Big Is the Difference?
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