Eine Band, die den Raum öffnet
Ein gleichmäßiges elektronisches Muster, dann setzt die Band ein: Schon der Anfang von „Baba O’Riley“ stellt zwei Kräfte nebeneinander, die dieses Album so spannend machen. Da ist die beinahe unbeirrbare Wiederholung. Und da sind vier Musiker, deren Spiel gerade nicht unbeirrbar geradeaus läuft. Keith Moon kommentiert, Pete Townshend setzt Akzente, John Entwistle gibt dem Ganzen Gewicht, und Roger Daltrey macht aus einer komponierten Idee eine körperliche Aussage. Das eine hält die Form, das andere bringt sie zum Leben.
„Who’s Next“ erschien 1971. Wer The Who vor allem über ihren frühen Mod-Zorn oder die zusammenhängende Erzählung von „Tommy“ kennt, begegnet hier einer anderen Konzentration: neun eigenständigen Songs, die als Album trotzdem einen großen Bogen schlagen. Es lohnt sich, nicht nur auf die berühmten Eckpunkte zu warten. Zwischen ihnen liegen die feinen Verschiebungen, durch die diese Platte mehr ist als eine Sammlung großer Rocknummern.

Was von Lifehouse blieb
Hinter dem Album steht das wesentlich größere Projekt „Lifehouse“. Aus Townshends weitreichender Konzeption wurde schließlich ein einzelnes Studioalbum. Die offizielle Bandgeschichte beschreibt auch den Wechsel von frühen New Yorker Arbeiten mit Kit Lambert zu den Londoner Aufnahmen mit Glyn Johns. Dieses Wissen macht die Platte nicht erklärungsbedürftig; es lässt vielmehr erkennen, wie viel Vorstellungskraft in ihre vergleichsweise klare Form eingeflossen ist.
Ein schönes Detail zum Einstieg: Das pulsierende Fundament von „Baba O’Riley“ kommt von einer Lowrey-Orgel. Der Klang wirkt futuristisch, gehört aber zugleich zu einem sehr konkreten Tasteninstrument. Darauf kann man beim nächsten Durchlauf achten: Wie verändert sich unser Eindruck dieser Wiederholung, sobald Schlagzeug, Stimme und Gitarre dazukommen? Ein zunächst abstrakter Impuls wird zum Gegenüber einer ausgesprochen menschlich spielenden Band.
Neun Songs statt eines geschlossenen Systems
Die Arbeit führte vom New Yorker Record Plant mit Kit Lambert zu Glyn Johns und den Londoner Olympic Studios. Der Wechsel betrifft nicht bloß einen Namen auf dem Cover: Aus Material für eine weit größere Konzeption musste ein Album werden, das ohne beigefügte Erklärung funktioniert. „Who’s Next“ verlangt nicht, vor dem ersten Ton die gesamte Handlung von „Lifehouse“ zu studieren. Seine neun Stücke dürfen verschiedene Perspektiven einnehmen und trotzdem zusammengehören.
John Entwistles „My Wife“ fällt dabei aus Townshends Autorenfolge heraus. Schon dieser einzelne Credit schützt vor der Vorstellung, hier läge lediglich eine gekürzte, in sich geschlossene Rockoper vor. Es ist weiterhin eine Bandplatte. Ebenso wichtig sind die weniger häufig zum Aushängeschild gemachten Stücke „The Song Is Over“ und „Getting in Tune“: Sie geben der Folge zwischen den großen Eckpunkten eine andere Beweglichkeit.
Die Lowrey-Figur in „Baba O’Riley“ verbindet eine regelmäßig wiederkehrende Vorgabe mit dem freien Spiel der Gruppe. Darin liegt eine konkrete Spannung dieses Albums: Das technische Muster soll die Band nicht ersetzen. Es schafft einen Rahmen, an dem ihre Bewegungen erst deutlich werden. Entsprechend wirkt auch der Schluss mit „Won’t Get Fooled Again“ nicht wie ein nachträglich angehängter Höhepunkt, sondern wie eine Rückkehr zu einer Frage, die der erste Song bereits aufgeworfen hat.
Bis zum letzten Spannungsbogen
Mit „Won’t Get Fooled Again“ kehrt die Verbindung aus wiederkehrendem Muster und freier Bandenergie in großem Maßstab zurück. Es ist ein Schluss, bei dem Dauer nicht einfach Länge bedeutet: Die Wiederkehr bereitet die Entladung vor. Gerade deshalb lohnt es sich, „Who’s Next“ als ganzes Album aufzulegen. Der Weg von seinem ersten Impuls bis hierher gehört zum Vergnügen.
Diese Ausgabe
Analogue Productions · UHQR · AUHQR 0029 · 1 LP · 200 g Clarity Vinyl · 33⅓ RPM. Mastering: Chris Bellman bei Bernie Grundman Mastering, von den originalen analogen Masterbändern. Presswerk: Quality Record Pressings (QRP). Limitierte, nummerierte Auflage von 7.500 Exemplaren; Stoughton-Gatefold in Box.
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Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nur Beteiligte der angebotenen Originalalbum-Ausgabe. Musiker von alternativen Takes und Deluxe-Bonustiteln sind ausgeschlossen.
- Roger DaltreyGesang
- Pete TownshendGesang, Gitarre, Klavier, Orgel
- John EntwistleGesang, Klavier, Bass
- Keith MoonPerkussion, Schlagzeug











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