Drei Stimmen öffnen das Fenster
Der Titel Album 1700 klingt fast absichtlich sachlich. Die Zahl verweist auf die ursprüngliche Katalognummer WS 1700; das musikalische Programm dahinter ist deutlich vielfältiger, als diese nüchterne Bezeichnung vermuten lässt. Peter, Paul & Mary veröffentlichten die Platte am 4. August 1967. Ihre drei Stimmen bilden weiterhin den Mittelpunkt, doch um sie herum steht ein größeres instrumentales Angebot bereit. Folk trifft auf Rock, auf einzelne Bläserfarben und auf eine kammermusikalische Besetzung. Das Trio muss seine Identität dafür nicht aufgeben. Gerade weil sie erkennbar bleibt, lassen sich die verschiedenen Ausblicke dieses Albums als zusammengehörig wahrnehmen.
Aufgenommen wurde 1966 und 1967 bei A&R in New York. Albert Grossman und Milton Okun stehen für die Produktion, Phil Ramone für die Aufnahmetechnik, Don Hahn für die Assistenz. Diese Studioumgebung bietet einen konkreten Hintergrund für eine Platte, deren Besetzung weit über drei Sänger mit Gitarren hinausreicht. Zugleich bleibt der persönliche Anteil der drei Mitglieder greifbar. Peter Yarrow, Noel Paul Stookey und Mary Travers sind nicht bloß austauschbare Stimmen eines geschlossenen Satzes. Das Programm gibt ihnen auch einzeln Raum: Mary mit No Other Name, Peter mit If I Had Wings und Paul mit Whatshername.
Damit entsteht ein reizvoller Wechsel zwischen gemeinsamer Identität und individuellem Erzählen. Wer das Trio vor allem über einzelne bekannte Lieder kennt, kann auf Album 1700 verfolgen, wie unterschiedlich sich ein gemeinsames Album tragen lässt. Eine Solostimme unterbricht den Zusammenhang nicht automatisch; sie kann ihn von einer anderen Seite beleuchten. Ebenso wenig muss ein zusätzliches Instrument die Folk-Basis verdrängen. Die Platte lädt dazu ein, Erweiterung als Teil derselben musikalischen Sprache zu verstehen. Ihre zwölf Songs bilden keinen einheitlichen Stiltest, sondern ein Programm, das Nähe, gesellschaftliche Fragen, Humor und die Freude an anderen musikalischen Formen nebeneinander zulässt.

Hinter dem Trio steht ein ungewöhnlich großer Kreis
Ein Blick auf The House Song zeigt die besondere Spannweite der Besetzung. Hier ist der Paul Winter Consort mit sieben namentlich dokumentierten Musikern beteiligt: Gene Bertoncini und Karl Herreshoff an den Gitarren, John Beal am Kontrabass, Gene Murrow am Englischhorn, Paul Winter am Saxofon, Virgil Scott an der Altflöte und Richard Bock am Cello. Das sind keine pauschal genannten „weiteren Musiker“, sondern konkrete Stimmen innerhalb einer belegten Titelbesetzung. Die Kombination von Saiten- und Blasinstrumenten eröffnet eine andere Umgebung als das schlichte Bild eines Folk-Trios. Gerade dieser Song lohnt deshalb den Blick in die vollständigen Credits.
An anderen Stellen werden weitere Gäste präzise fassbar. Paul Butterfields Mundharmonika ist Rolling Home zugeordnet, Paul Griffins Orgel Weep For Jamie. Richard Kniss ist am Kontrabass dokumentiert, einschließlich eines Solos in Whatshername. Hinzu kommen Howard Collins an der Gitarre, Morris Wechslier am Klavier sowie Harvey Brooks und Russ Savakus am elektrischen Bass. Auch vier Mitglieder der Paupers sind genannt: Chuck Beale und Adam Mitchell an den Gitarren, Denny Gerrard am Bass und Skip Prokop am Schlagzeug. Wo die Quellen keine sichere Titelzuordnung liefern, bleibt diese offen. Aus der gemeinsamen Nennung wird keine Behauptung über einen bestimmten Song abgeleitet.
Diese Genauigkeit verändert den Blick auf das Album. Die drei Hauptstimmen bleiben sein erkennbarer Bezugspunkt, doch die Begleitung ist keine anonyme Kulisse. Verschiedene musikalische Erfahrungen treffen in den Aufnahmen zusammen. Zwölfsaitige Gitarren sind zudem bei bestimmten Titeln ausdrücklich den beiden männlichen Mitgliedern zugeordnet. Fürs Hören eröffnet das mehrere Wege: Man kann dem Wechsel zwischen Einzel- und Gruppengesang folgen, auf unterschiedliche Instrumentalfarben achten oder einzelne Songs als Begegnung mit Gästen betrachten. Keiner dieser Zugänge ersetzt das ganze Album. Zusammen erklären sie jedoch, weshalb die scheinbar schlichte Bezeichnung Album 1700 ein erstaunlich vielgestaltiges Programm umfasst.

Von „Leaving On A Jet Plane“ bis „The Song Is Love“
Rolling Home, Leaving On A Jet Plane und Weep For Jamie bilden die erste Seite dieser Doppel-LP. John Denvers Leaving On A Jet Plane ist für viele der unmittelbar erkennbare Einstiegspunkt. Im Album steht es jedoch zwischen zwei anderen Liedern und gewinnt seine Position aus dieser Folge. Die zweite Seite führt über Mary Travers’ Solostimme in No Other Name zu The House Song und The Great Mandella (The Wheel Of Life). Schon die Gegenüberstellung dieser Titel macht deutlich, wie wenig das Programm auf einen einzigen Anlass oder eine einzige Stimmung festgelegt ist. Der bekannte Song steht innerhalb einer größeren Auswahl.
Mit I Dig Rock And Roll Music beginnt die zweite Platte. Danach folgen If I Had Wings und I’m In Love With A Big Blue Frog. Der Wechsel von musikalischer Selbstbeobachtung, persönlicher Stimme und spielerischem Titel gehört zur Eigenart des Albums. Er verhindert, dass sich aus dem Ernst einzelner Lieder eine durchgehend gleich schwere Erwartung entwickelt. Auf der letzten Seite stehen Whatshername, Bob Dylan’s Dream und The Song Is Love. Das Programm führt damit auch zu einem anderen wichtigen Songwriter und endet mit einem Titel, der den gemeinschaftlichen Gedanken des Singens noch einmal ausdrücklich benennt.
Die zwölf Stücke lassen sich als Gespräch verschiedener Möglichkeiten des Folk-Pop verstehen. Ein Lied kann erzählen, Stellung beziehen, lächeln, erinnern oder auf die Musik um sich herum reagieren. Das Trio hält diese Möglichkeiten zusammen, ohne jeden Titel in dieselbe Besetzungsform zu zwingen. Darin liegt der Sammlerreiz auch jenseits der bekanntesten Single: Album 1700 dokumentiert einen Moment, in dem die vertraute Gruppenidentität neue Nachbarschaften zulässt. Es ist lohnend, die Platte vollständig zu hören, statt nur auf einen Höhepunkt zu warten. Die unterschiedlichen Titel und Gastbesetzungen erklären einander im Verlauf und machen aus der Sammlung ein Album mit eigener Beweglichkeit.
Vier Seiten für das vollständige Programm von 1967
Die hier beschriebene Ausgabe trägt die Katalognummer AAPF 1700-45. Analogue Productions veröffentlichte sie 2022 als Stereo-Doppel-LP mit 180 Gramm pro Platte und 45 U/min. Kevin Gray übernahm das Mastering von den originalen analogen Bändern. Gepresst wurde bei Quality Record Pressings; Gary Salstrom ist für die Metallarbeit dokumentiert. Hinzu kommt eine Stoughton-Hülle. Diese Angaben beschreiben eine konkrete Wiederveröffentlichung des Albums und gehören zu ihrer Identität. Sie sollten nicht auf andere Pressungen mit ähnlich vertrautem Cover oder demselben Albumtitel übertragen werden.
Das Programm ist gleichmäßig auf vier Seiten mit jeweils drei Songs verteilt. Dadurch werden die Gruppen besonders überschaubar: Die erste Platte endet mit The Great Mandella, die zweite beginnt mit I Dig Rock And Roll Music. Die zusätzlichen Seitenwechsel sind Bestandteil dieses Formats und sollten bei der Auswahl ebenso berücksichtigt werden wie die benannte analoge Quelle und der Schnitt. Die Drehzahl allein beantwortet keine Frage nach einem persönlichen Hörergebnis. Nachvollziehbar ist dagegen, welche Herstellung für diese Fassung dokumentiert ist und in welcher Reihenfolge die zwölf Titel auf ihren vier Seiten stehen. Genau diese Zuordnung schafft Orientierung zwischen verschiedenen Ausgaben.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Wer dieses Album auf Vinyl kaufen möchte, findet hier die Angaben zur beschriebenen Ausgabe. Für eine Sammlung zwischen Folk, Vokalgruppen und Pop der sechziger Jahre ist Album 1700 ein besonders ergiebiger Titel. Die bekannte Dreierbesetzung bleibt sichtbar, während Solostimmen, Rockmusiker und kammermusikalische Gäste den Blick erweitern. Der vollständige Musikerblock unter dem Text macht diese Beteiligung nachvollziehbar, ohne ungeklärte Titelcredits zu erfinden. So lässt sich die 45er Ausgabe sowohl über die vertrauten Songs als auch über ihre weniger offensichtlichen Verbindungen erschließen. Der sachliche Albumname verspricht wenig; die konkrete Zusammenstellung bietet umso mehr Ansatzpunkte für ein wiederholtes, aufmerksames Hören des gesamten Programms.
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Peter YarrowPorträtvorlage: um 1968Gesang, Gitarre, 12-saitige GitarreMitwirkung: Gesang/Gitarre: Albumcredits · Solo C2 · 12-saitige Gitarre A2, A3
- Noel Paul StookeyPorträtvorlage: um 1968Gesang, Gitarre, 12-saitige GitarreMitwirkung: Gesang/Gitarre: Albumcredits · Solo D1 · 12-saitige Gitarre A1, B2, D3
- Mary TraversPorträtvorlage: um 1968GesangMitwirkung: Albumcredits · Sologesang B1
- Howard CollinsGitarreMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Paul GriffinOrgelMitwirkung: A3
- Morris WechslierKlavierMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Harvey BrooksSpäteres Porträt: 1972E-BassMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Richard KnissKontrabassMitwirkung: Albumcredits · Kontrabasssolo D1
- Russ SavakusE-BassMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Paul ButterfieldMundharmonikaMitwirkung: A1
- Chuck BealeGitarreMitwirkung: The Paupers · Titelzuordnung nicht belegt
- Adam MitchellGitarreMitwirkung: The Paupers · Titelzuordnung nicht belegt
- Denny GerrardE-BassMitwirkung: The Paupers · Titelzuordnung nicht belegt
- Skip ProkopSchlagzeugMitwirkung: The Paupers · Titelzuordnung nicht belegt
- Gene BertonciniGitarreMitwirkung: B2 · Paul Winter Consort
- Karl HerreshoffGitarreMitwirkung: B2 · Paul Winter Consort
- John BealKontrabassMitwirkung: B2 · Paul Winter Consort
- Gene MurrowEnglischhornMitwirkung: B2 · Paul Winter Consort
- Paul WinterSaxofonMitwirkung: B2 · Paul Winter Consort
- Virgil ScottAltflöteMitwirkung: B2 · Paul Winter Consort
- Richard BockCelloMitwirkung: B2 · Paul Winter Consort
Produktion Albert B. Grossman und Milton Okun; Ton Phil Ramone, Assistenz Don Hahn; Mastering dieser Ausgabe Kevin Gray (2022), Galvanik Gary Salstrom.
🎧 Review video: The 20 Best Audiophile Analogue Production Editions (Still in Print 2021)
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