Ein Blasorchester mit sinfonischem Anspruch
Winds Of War And Peace versammelt sieben Stücke, die unterschiedliche Vorstellungen von öffentlicher Musik zusammenbringen: Fanfare, Marsch, sinfonische Erzählung und Tanz. Lowell E. Graham leitet die National Symphonic Winds und verantwortet zugleich die Produktion. Der Titel setzt einen großen Rahmen, doch das Programm lässt sich nicht auf martialische Wirkung verkürzen. Festliche Gesten, rhythmische Präzision und längere musikalische Entwicklungen gehören gleichermaßen dazu.
Das Ensemble wurde aus Musikern führender amerikanischer Militärkapellen und der Virginia Symphony gebildet. Diese Herkunft erklärt den besonderen Ausgangspunkt: Hier treffen Erfahrung mit Blasorchesterkultur und sinfonische Aufgaben aufeinander. Ein solches Klangbild besitzt andere Gewichte als ein Streichorchester mit ergänzendem Bläsersatz. Luft, Ansatz und Schlagwerk bestimmen die Artikulation; Farben müssen innerhalb dieser Besetzung differenziert werden, statt auf den vertrauten Wechsel zwischen großem Streicherteppich und Bläsergruppe zurückzugreifen.
Die Aufnahme gehört zum Wilson-Audiophile-Katalog, ursprünglich unter W-8823. Das ist für ihre Geschichte wesentlich, aber die Attraktion beginnt beim Programm. John Williams, Samuel Barber, Roger Nixon, Richard Rodgers, Alfred Reed, Luigi Radaelli und Clifton Williams stehen nicht für einen einzigen Stil. Ihre Stücke verlangen verschiedene Arten von Spannung: eine rasche Eröffnung, eine klare Gangart, einen längeren Bogen oder eine Bewegung, die stärker vom Tanz ausgeht.
Gerade diese Vielfalt macht die Platte interessant für Hörer, die ein Blasorchester nicht nur als Effektlieferanten kennenlernen möchten. Große Ausbrüche können Aufmerksamkeit gewinnen; die musikalische Frage bleibt, wie sie vorbereitet und wieder in einen Verlauf eingebunden werden. Die sieben Titel bieten dafür mehrere Antworten. Graham und das Ensemble haben somit nicht einfach eine Lautstärke zu verwalten, sondern Charaktere voneinander zu unterscheiden und ihnen dennoch einen gemeinsamen Rahmen zu geben.

Von der Freiheitsstatue bis zu Victory At Sea
Den Auftakt bildet Liberty Fanfare von John Williams in James Curnows Bearbeitung. Das Werk entstand 1986 zum hundertjährigen Jubiläum der Freiheitsstatue. Es gehört damit zu Williams’ Musik für einen öffentlichen Anlass und ist hier nicht als Filmmusik einzuordnen. Eine Fanfare muss in kurzer Zeit einen Raum öffnen: Ihr Beginn soll Aufmerksamkeit sammeln, ihre Gesten müssen sich deutlich einprägen. Als Albumauftakt ist diese Aufgabe besonders sinnvoll gesetzt.
Samuel Barbers Commando March von 1943 bringt einen anderen historischen Hintergrund und eine andere Art von Bewegung ein. Der Marsch war Barbers erstes Werk für Blasorchester. Seine rhythmische Organisation macht deutlich, dass ein fester Schritt musikalische Raffinesse nicht ausschließt. Neben der klaren äußeren Form können Akzente und innere Bewegungen Spannung erzeugen. Darauf folgt Roger Nixons Festival Fanfare March, dessen Verbindung von Festlichkeit und Marsch bereits im Titel angelegt ist.
Seite B gehört vollständig Victory At Sea von Richard Rodgers in der Bearbeitung von Robert Russell Bennett. Mit gut zehn Minuten hat dieses Stück erheblich mehr Zeit zur Verfügung als die drei Eröffnungsnummern. Die Herkunft aus dem Fernsehdokumentarprojekt bringt eine andere Vorstellung von musikalischer Erzählung mit: Musik kann Handlung, Weite und wechselnde Situationen suggerieren, ohne dass beim Hören Bilder benötigt werden. Die längere Form verschiebt damit auch den Maßstab des Albums.
Dieser erste Teil des Programms führt von einer konzentrierten Eröffnung zu einer ausgedehnteren Anlage. Auf der 45-RPM-Ausgabe ist die Gliederung besonders klar: drei Stücke auf der ersten Seite, ein längerer Zusammenhang auf der zweiten. Das Plattenwenden unterbricht nicht einfach eine beliebige Sammlung. Es markiert einen Wechsel der Größenordnung, bei dem das Ensemble nach den prägnanten kürzeren Formen Zeit für einen breiteren Verlauf bekommt.

Tanz, Farbe und die Arbeit am gemeinsamen Puls
Alfred Reeds El Camino Real nimmt die ganze dritte Seite ein. Schon seine Dauer von etwas mehr als zehn Minuten stellt es neben Victory At Sea als zweiten großen Schwerpunkt des Programms. Der Zusammenhang zwischen rhythmischer Energie und längerem Verlauf ist dabei eine nützliche Hörperspektive. Ein Stück kann von bewegten Figuren leben und dennoch mehr verlangen als das Aneinanderreihen kurzer Höhepunkte. Wiederkehr, Kontrast und Steigerung geben solchen Formen ihre Richtung.
Die letzte Seite verbindet A Santa Cecilia von Luigi Radaelli mit Symphonic Dance No. 3 von Clifton Williams. Das Programm endet damit nicht einfach mit einer weiteren Fanfare. Es kehrt zu unterschiedlichen Formen gemeinschaftlicher, rhythmisch profilierter Musik zurück und lässt sie in einer sinfonischen Tanzvorstellung auslaufen. Die sieben Titel bilden gerade durch ihre verschiedenen Dimensionen ein vollständiges Album, statt nur ähnliche Stücke unter einem wirkungsvollen Titel zu sammeln.
Bei einem Blasorchester lohnt es sich, auf den Beginn und das Ende eines Tons zu achten. Gemeinsame Einsätze müssen nicht nur gleichzeitig erfolgen; sie müssen auch in Gewicht und Dauer zusammenpassen. Ebenso wichtig ist, wie eine Stimme aus dem Gesamtklang heraustritt und wieder darin aufgeht. Die dunkleren Register können eine Passage tragen, während hellere Instrumente eine andere Bewegung darüberlegen. Schlagwerk verändert zusätzlich Kontur und räumliche Vorstellung, ohne ständig im Vordergrund stehen zu müssen.
So bietet Winds Of War And Peace mehrere Ebenen des Hörens. Man kann sich zunächst vom unmittelbaren Charakter der Stücke leiten lassen und später stärker auf die Verteilung von Aufgaben achten. Die Fähigkeit eines Ensembles, aus vielen Atembewegungen einen gemeinsamen Puls zu formen, ist dabei ebenso interessant wie ein einzelner großer Akzent. Das Programm gibt beiden Aspekten Platz: der klaren öffentlichen Geste und der Arbeit innerhalb eines vielstimmigen Klangkörpers.
Die 45-RPM-Ausgabe mit Kevin Grays Neuschnitt
Hier ist AAPC 8823-45 gemeint: zwei 200-Gramm-LPs mit 45 RPM, neu geschnitten von Kevin Gray bei Cohearent Audio aus dem originalen Analogband. Die Pressung stammt von Quality Record Pressings, die Klapphülle von Stoughton. Diese Angaben gehören zur konkreten Analogue-Productions-Ausgabe. Der Name Doug Sax ist mit der ursprünglichen Wilson-Veröffentlichung verbunden; er bezeichnet nicht den hier angebotenen Neuschnitt.
Die vierseitige Aufteilung ist bei diesem Programm sinnvoll nachvollziehbar. Die beiden längsten Werke erhalten jeweils eine eigene Seite. Die kürzeren Stücke stehen am Anfang und am Ende als Gruppen. 45 RPM ist damit nicht nur eine Angabe auf dem Etikett, sondern bestimmt auch den Ablauf des Hörens: zwei kompakte Programmblöcke und zwei längere Werkseiten. Wer diese Fassung auflegt, entscheidet sich bewusst für diesen Rhythmus aus Zuhören und Plattenwenden.
Auch die Rezeptionsgeschichte sollte zur richtigen Ausgabe gehören. Die oft genannte Auszeichnung aus dem Jahr 2017 betraf die Fassung mit 33 RPM. Sie erklärt einen Teil der Aufmerksamkeit für das Album, ersetzt aber keine Beurteilung dieser späteren 45-RPM-Ausgabe. Deren greifbare Merkmale sind der benannte neue Schnitt, das Presswerk, die Ausstattung und die unverwechselbare Zusammenstellung des Programms.
Für eine Sammlung eröffnet die Platte einen Bereich zwischen amerikanischer Blasorchestertradition, Konzertsaal und Musik für öffentliche Anlässe. Sie kann durch Kraft ansprechen, bleibt aber vor allem durch ihre unterschiedlichen Formen und Aufgaben interessant. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Lowell E. GrahamSpäteres Porträt; Jahr offenDirigent, ProduzentMitwirkung: Alle sieben Stücke
- National Symphonic WindsBlasorchesterMitwirkung: Alle sieben Stücke
Lowell E. Graham: Dirigent und Produzent. National Symphonic Winds: Ensemble aus Musikern führender US-Militärkapellen und der Virginia Symphony; keine gesicherte Einzelliste. Kevin Gray / Cohearent Audio: aktueller Schnitt vom Originalanalogband; Doug Sax: ursprüngliche Wilson-Ausgabe, nicht dieser Neuschnitt. QRP: Pressung. Aufnahmedatum, Saal und Toningenieur hier nicht gesichert. Die Auszeichnung von 2017 bezog sich auf die 33-RPM-Ausgabe.








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